Abbruch von Zeitgeschichte erweist sich als Mammutaufgabe

Das Ende der Zeilgalerie in Frankfurt am Main

In einem aufwendigen Verfahren wurde das unter dem Namen „Zeilgalerie“ bekannte Shoppingcenter, im Herzen der Mainmetropole auf einer der umsatzstärksten Einkaufsmeilen Deutschlands, restlos zurückgebaut. An dessen Stelle soll bis Ende 2018 das neue Einkaufszentrum „Upper Zeil“ entstehen.

Das nicht mehr rentable Prestigeobjekt

Unter dem Namen „Les Facettes“ wurde die Zeilgalerie als Prestigeobjekt des fallierten Bauunternehmers Jürgen Schneider 1992 eröffnet. Das Haus, in dem die Besucher mit Rolltreppen und Glas-Aufzügen auf sieben Etagen in über 50 Geschäften einkaufen konnten, verbuchte mit den Jahren einen zunehmend rückläufigen Umsatz. Lediglich die Aussichtsplattform mit Blick auf die Frankfurter Skyline zog bis zuletzt zahlreiche Touristen aus aller Welt an.

Im Mai 2015 beschlossen die Bauherren RFR Management GmbH und DC Values GmbH & Co. KG schließlich, das nicht mehr rentable Objekt endgültig abbrechen zu lassen. Für die Rückbauarbeiten wurde das Frankfurter Abbruchunternehmen ANTAL Abbruch & Baumanagement GmbH beauftragt. Die Schadstoffsanierungs-, Entkernungs- und Abbrucharbeiten erfolgten im Zeitraum Mai 2016 bis August 2017 in zwei Phasen.

Mammutaufgabe – kleinteilige Ausführung

Bereits in der Planungsphase wurde klar, dass der Abbruch eine Mammutaufgabe werden sollte. Ein Abbruch mittels Großgeräten war aufgrund der besonderen örtlichen Gegebenheiten ausgeschlossen. ANTAL zeigte bereits in der Angebotsphase durchdachte Alternativen auf. So gelang es in einem Zeitraum von nur acht Monaten den Stahlverbundbau mit einer Gesamtkubatur von 132.500 m³ und einer Gebäudehöhe von 45 m vollständig rückzubauen.

Der unmittelbar an das Abbruchobjekt angrenzende Frankfurter Knotenpunkt des Fern- und Nahverkehr-Tunnels unterhalb der Zeil sowie die nördlich hierzu verlaufenden Glasfaserleitungen der Telekom schlossen einen Longfrontbagger-Abbruch grundlegend aus. Die angedachte Planung sah einen kleinschrittigen, etagenweisen Rückbau mit Kleingeräten vor, deren Erschütterungsemissionen durchgängig dokumentiert werden mussten.

Mit firmeneigenen Fachleuten und unter Einbindung eines Ingenieurbüros, erarbeitete ANTAL ein umfangreiches Abbruchkonzept. Dieses sah für den mineralischen Abbruch im Wesentlichen den Rückbau unter Einsatz diverser Midi-Bagger der 5 bis 8 t-Klasse, verschiedener ferngesteuerter Abbruchmaschinen sowie von Betonsägen.

Unter Zuhilfenahme verschiedener Anbauwerkzeuge sollten sich die eingesetzten Maschinen etagenweise vorarbeiten, so dass binnen einer Woche ein Geschoss vollständig abgebrochen und abtransportiert werden konnte. Der enge Zeitplan, bei dem zu Spitzenzeiten bis zu 75 Arbeitskräfte im Zwei-Schicht-Betrieb im Einsatz waren, konnte nur eingehalten werden, da das Team „Hand in Hand und sehr professionell arbeitete“, so Geschäftsführer George Antal im Rückblick.

Baustelleneinrichtung auf engstem Raum

Der aus einer Mischung aus Vorfreude und Spannung erhoffte Startschuss für die Baustelleneinrichtung (BE) fiel im Juli 2016 durch die Freigabe der Stadt Frankfurt am Main. Zum Schutz des Belags der Fußgängerzone „Zeil“ wurde zunächst eine 800 m lange Baustraße mit dämpfenden Kunststoffplatten ausgelegt. Sämtliche Fahrzeuge durften die Baustraße nur in eine Richtung befahren. Hierbei wurden die Transporte bis zum Verlassen der Fußgängerzone durch Wachpersonal begleitet, so dass die Sicherheit der Passanten jederzeit gewährleistet war.

Um den täglichen Einkaufsansturm und die anliegenden Nachbarn nicht zu beeinträchtigen, wurden zudem die Abtransport-Zeiten des Bauschutts morgens auf den Zeitraum zwischen 6.00 und 10.00 Uhr und nachts zwischen 22.00 und 01.30 Uhr begrenzt. Eine Beeinträchtigung des Fußgängerbereichs wurde zudem auch dadurch nahezu vermieden, indem die BE auf eine geringstmögliche Fläche von nur 8 m x 45 m (BxL) reduziert wurde. Diese schmale BE-Fläche wurde von ANTAL auch dazu genutzt, um die eingesetzten LKWs mit Hilfe eines Mobilbaggers sukzessive mit Bauschutt zu beladen.

Vertikale Logistik als Herausforderung

Für den Abtransport der Abbruchabfälle während der Entkernungsphase, die bereits im Mai 2016 begann, wurde der Anlieferhof des angrenzenden Warenhauses Kaufhof in Verbindung mit einen Lastenaufzug mit max. 10 t Nutzlast genutzt. Mit ihm wurden die zuvor über Abwurfschächte ins zweite UG der Zeilgalerie verbrachten Abfälle wieder auf EG-Level hochbefördert, um sie von dort aus über den o.g. Anlieferhof abzutransportieren. Dabei durfte der laufende Warentransport des Kaufhofs zu keiner Zeit behindert werden.

Als eine logistische Meisterleistung erwies es sich, die verwendeten 20 m³ Abrollcontainer auf Schwerlastfahrwerke zu setzen, um diese dann mit dem o.g. Lastenaufzug befördern zu können. Auf diese Weise wurden täglich bis zu zwanzig Container Abbruchgut „just-in-time“ abtransportiert. „Diese Methode funktionierte so gut, dass wir uns dazu entschlossen, diesen Abtransport-Weg über die gesamte Ausführungszeit zu nutzen“, so Bauleiter Daniel Deigert.

Während der Abbruchphase kam zum Abtransport des Bauschutts ein Turmdrehkran in Verbindung mit Kranmulden hinzu. Mit dieser dualen Logistikstrategie war es möglich, insgesamt 2.960 Abtransporte mit einer Gesamtmasse von 26.200 t Entsorgungsmaterial zu befördern.

Ganz „großes Kino“ für ANTAL

Als eine weitere große Herausforderung stellte sich die Demontage des auf dem Abbruchobjekt befindlichen Kinos dar, das als auskragender Stahlbau errichtet worden war. Die Konstruktion erstreckte sich über das Dach der Zeilgalerie bis hin zum benachbarten Kaufhof. Der darin als Brückenkonstruktion verbaute Fachwerkträger wurde für den Rückbau temporär abgestützt. Diese Zwischenbaumaßnahme war erforderlich, da sich die Konstruktion oberhalb des Kaufhof-Wareneingangs befand, welcher uneingeschränkt zugänglich und nutzbar bleiben musste. ANTAL verlagerte deshalb die Arbeiten für diesen Bereich auf die Abendstunden und traf umfangreiche Vorkehrungen, um Gefahren sowohl für die eigenen Mitarbeiter als auch für Passanten sicher auszuschließen.

Die für den komplexen Rückbau errechnete Abbruchstatik sah vor, die bis zu 25 m langen Träger HEB 450 und HEB 800 im Ganzen auszubauen und sie erst auf der BE-Fläche in transportable Größen zu teilen. Die umlaufende Fassade wurde vorab demontiert, zum Teil von Industriekletterern, und dies in einer Höhe von bis zu 45 m.

Mit Zuversicht und Vertrauen in die Zukunft

Die bei diesem Projekt angesetzten, strengen Auflagen des Emissions- und Lärmschutzes wurden insbesondere durch den Einsatz von Maschinen und -geräten kleiner und mittlerer Größe eingehalten. Auch beim Arbeitsschutz galten erhöhte Anforderungen. So gab es beispielsweise für Absturzkanten und andere Gefährdungsbereiche eine permanente Absturzüberwachung. Die Überprüfung der Sicherheitsauflagen fand in gemeinsamen Baustellenbegehungen mit den zuständigen Fachleuten der BG BAU, des Regierungspräsidiums sowie dem Sicherheits- und Gesundheitskoordinator statt. Die Experten lobten die vorbildliche Koordination und Umsetzung der Auflagen, wofür ANTAL eigens geschultes Aufsichtspersonal einsetzte.

Vor allem in der zweiten Phase des Abbruchs erhöhte sich der Druck für ANTAL zusätzlich, da der Rohbau für das Neubauprojekt „Upper Zeil“ parallel zu den Restabbrucharbeiten begann, d.h. bereits im Januar 2017. Trotz dieser großen Herausforderung wurden die Arbeiten erfolgreich und effizient gemeistert. „Die gewonnenen Erfahrungen wappnen uns für weitere große Projekte und erfüllen uns mit Stolz“, fasst Geschäftsführer George Antal rückblickend zusammen.

Die Dokumentation des Abbruchs ist in einem zeitgerafften Video auf YouTube eingestellt.

 

Information

ANTAL Abbruch & Baumanagement GmbH

Im Bärengarten 11

60599 Frankfurt am Main

Tel.: +49 (0)69 – 6971889-0

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