Sprengtechnischer Abbruch der Autobahntalbrücke Rälsbach Nord

Brücke der A 45 am 26. November 2017 erfolgreich niedergebracht

Im Zuge des Ausbaus der A45 müssen allein im Nordrheinwestfälischen Bereich 38 Großbrücken neu errichtet werden. Zwei dieser Brücken sind die Talbrücken Rälsbach und Rinsdorf.

Die Talbrücken Rälsbach und Rinsdorf befinden sich zwischen den Anschlussstellen Siegen Süd und Wilnsdorf. Sie liegen so nahe beieinander, dass sie aus verkehrstechnischen Gründen nur zusammen erneuert werden können. Beide Brücken werden durch Sprengungen abgebrochen. Dazu beauftragte der Bauherr, der Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein Westfalen, das Ingenieurbüro für Bauwerksabbruch Dr.-Ing. Rainer Melzer zur Erstellung der Ausführungsplanungen.

Zeitlicher Ablauf

Spatenstich für die Baumaßnahme war der 18. September 2017. An beiden Brücken wird gleichzeitig gearbeitet. Durch die unterschiedlichen Konstruktionen der Brücken ist deren Abbruch jedoch zeitlich um 1 ½ bis 2 Jahre versetzt. Den Anfang machte hierbei die Talbrücke Rälsbach.

Die beteiligten Firmen

Der Generalauftragnehmer, die Arbeitsgemeinschaft A 45 Talbrücken Rinsdorf und Rälsbach, bestehend aus den Firmen Züblin und Bickhardt Bau, beauftragte die Firma Moß Abbruch-Erdbau-Recycling GmbH & Co. KG aus Lingen mit den Abbrüchen der Brücken. Diese wiederum beauftragte die Firma Richard Liesegang GmbH & Co. KG aus Hürth mit der Ausführung der Sprengungen.

Aufbau der Talbrücke Rälsbach

Die in den Jahren 1965 bis 1966 erbaute Brücke ist 165 m lang, bis zu 24 m hoch und besteht aus zwei separaten Richtungsfahrbahnen. Die baugleichen RFB-Brücken wurden als Spannbeton-Hohlkästen errichtet. Der Umstand, dass die beiden Richtungsfahrbahnen separate Brücken darstellen, ermöglichte es, eine Brücke abzubrechen ohne erst eine neue bauen zu müssen.

Die wichtigsten Bauphasen im Überblick

2016 wurde im ersten Schritt die Brücke Süd ertüchtigt. Sie ist somit in der Lage, den gesamten Verkehr während der Bauzeit der Brücke Nord zu tragen. Im zweiten Schritt wurde die Brücke Nord gesprengt und deren Trümmer aufgearbeitet. Die Errichtung der neuen Brücke Nord stellt den dritten Schritt dar. Wenn diese fertiggestellt ist, soll in den weiteren Schritten die Brücke Süd gesprengt, deren Trümmer aufgearbeitet und an ihrer Stelle die neue Brücke errichtet werden.

Die praktische Umsetzung der Sprengung

Unmittelbar nachdem die Baustraße errichtet war, wurde mit der Anlieferung der Massen zur Errichtung der Fallbetten für die Sprengung der Brücke Nord begonnen. Zeitgleich begannen die für die Sprengung notwendigen Vorbereitungsarbeiten am Sprengobjekt.

Der Fahrbahnbelag wurde abgefräst und die Kragarme wurden über die gesamte Länge maschinell abgebrochen. Das Sprengprinzip in der Ausführungsplanung sah einen senkrechten Absturz des Überbaus durch zweiteilige Sprengfaltung aller Pfeiler vor.

Die Pfeiler der vier Pfeilerpaare waren als volle Rechteckpfeiler mit Kantenlängen von 1m x 1,60 m ausgebildet. In alle Pfeiler wurden zwei gegenläufige Sprengmäuler eingebracht. Die unteren Sprengmäuler waren direkt über, in den Pfeilern integrierten, Walzgelenken angeordnet. Die oberen Sprengmäuler befanden sich in halber Höhe und teilten somit die Pfeiler in zwei gleich große Hälften.

Die sprengtechnische Herstellung dieser Sprengmäuler stellte eine der größten Herausforderungen dar. Um die Faltung der Pfeiler zu gewährleisten, musste durch die Sprengung der gesamte Beton aus den Mäulern ausgeworfen werden. Der sehr geringe Restquerschnitt von noch nicht einmal 50 cm durfte dabei jedoch auf keinen Fall zerstört werden.

Zwischen den Sprengmäulern und den Restquerschnitten wurden deshalb Kernbohrungen von 200 mm Durchmesser durch die gesamte Pfeilerbreite geführt. Die Bohrungen zur Aufnahme des Sprengstoffes wurden mit äußerst geringen Abständen zueinander eingebracht. Damit wurde der Sprengstoff in den Sprengmäulern auf viele Stellen verteilt. Unter anderen waren diese technischen Details der Schlüssel für das gelungene „Herausoperieren“ der Sprengmäuler mittels Sprengstoff.

Bei dieser Vorgehensweise wird der Beton allerdings mit großer Energie aus dem Sprengmaul geworfen. Ein weitreichender Streuflug ist die Folge. Alle Sprengmäuler erhielten deshalb einen mehrlagigen Schutz zur Minimierung dieses Streufluges. Auch durch diesen wurde die Bahn des Streufluges in Brückenlängsrichtung gezwungen. Die benachbarten Pfeiler der Brücke Süd wurden nicht getroffen.

Fazit

Die Sprengung der Talbrücke Rälsbach Nord zeigt einmal mehr die Zuverlässigkeit des Sprengens als Abbruchverfahren. Eine sachkundige Ingenieurbetreuung, die konsequente und fachkundige Ausführung der Arbeiten sowie eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten sind dafür allerdings eine zwingende Voraussetzung.

 

Information

Richard Liesegang GmbH & Co. KG

Kirchstr. 3

50354 Hürth

Ansprechpartner: Michael Schneider

E-Mail: michael.schneider@rl-liesegang.de

www.rl-liesegang.de