Umnutzung der alten Oberpostdirektion in Frankfurt

Vom Neobarock in die Zukunft

Für das weit über 100 Jahre alte Bauwerk, das ein Paradebeispiel für wilhelminische Prunkarchitektur ist, beginnt aktuell ein komplett neues Kapitel. Das denkmalgeschützte Juwel, dessen Fassade an ein Grandhotel erinnert, wird demnächst 164 luxuriöse Eigentumswohnungen beherbergen.

Früher wurde hier telegraphiert, gemorst, verbunden und Post sortiert: Im Gebäude der alten Oberpostdirektion in Frankfurt, Ludwig-Erhard-Anlage 2, erinnert jedoch schon lange nichts mehr an alte Fernmeldezeiten.

Mittlerweile ist das sogenannte Westend Palais, in dem die repräsentativen Wohnungen entstehen, durch Hagedorn vollständig entkernt.

Der Auftrag: Rückbau des kompletten Innenhofbereichs (Neubau) zwischen zwei bestehenden Bauteilen (historischer Altbau), Rückbau von Tonnendächern auf zwei Gebäudeteilen sowie der Rückbau eines in den Altbau eingebundenen Verbindungsganges.

Nicht aus Pappe: Neubau im Altbau

„Das Projekt ist nicht ohne: Größe, Denkmalschutz, Altbestände sichern, Entkernen im Bestand und Abbruch im Bestand. Hier sind Erfahrung und Kreativität gefragt“, sagt Projektleiter Roland Steinberg.

Die Besonderheit des Komplexes: In den Innenhof des historischen Gebäudes wurde in den 80er Jahren ein Neubau gesetzt. Alt- und Neubauwände wurden dabei verbunden und stützen sich gegenseitig. Für den Rückbau des kompletten Innenbereichs mit innenliegenden Gebäudeteilen, einer Rotunde und einem großen Händlersaal bedeutete das umfangreiche statische Berechnungen. Denn ohne den stützenden Innenteil würde der Altbau den Rückbaumaßnahmen nicht standhalten. Eine ausgeklügelte Abbruchstatik brachte die Lösung: Dazu gehören aufwändige Holz-Stahlkonstruktionen, die die historischen Wände abstützen. Immerhin 15 t Stahl und 15 t Holz wurden dafür verbaut. Dann erst konnten ein Minibagger und ein 30-Tonner ihre Arbeiten im Inneren aufnehmen. Für die oberen Bereiche des mehr als sieben Stockwerke hohen Gebäudes war allerdings schwereres Gerät gefragt.

Doch wie bringt man einen 17 m langen und später 26 m hohen 90 t Bagger durch eine gerade mal 4,20 x 3,80 m große Öffnung in den Innenbereich des Neubaus? Zu allererst wurde mit einem kleineren Bagger eine Öffnung in den Innenhof geknabbert, damit der Großbagger hineinkonnte. Dort waren allerdings Stützen im Weg, die bis zu 120 t Last aufnahmen.

Operation Großbagger

Durch zusätzliche Stützkonstruktionen in den darüberliegenden Geschossen leiteten die Hagedorn-Fachleute die Lasten temporär ab – so konnten die Stützen im Erdgeschoss entfernt werden zur Einfahrt des Großbaggers. Die Maschinisten nahmen dem KMC 600 Hitachi dafür den Ausleger ab, hievten ihn auf Schwerlastrollen und rollten ihn durch den entstandenen Durchfahrtbereich in die Rotunde. Erst dann ließ sich der „Dicke“ mit viel Fingerspitzengefühl in die ehemalige Kassenhalle manövrieren.

Überraschung in den Wänden

„Bei denkmalgeschützten Gebäuden geht nichts mal eben so“, weiß Roland Steinberg aus der Erfahrung mit zahlreichen Projekten dieser Art. Historische Gebäude erfordern spezielles Wissen, viel Feingefühl und haben meist Überraschungen parat, die die Zeitpläne durcheinanderbringen. Bei der alten Oberpostdirektion bestand die Herausforderung in der Trennung von Alt und Neu. Dass aber Alt- und Neubau in den 80ern nicht nur architektonisch verquickt wurden, sorgte für die nächste Überraschung: Die Hohlräume zwischen den Alt- und Neubauwänden hatte man anstatt mit Styropor mit Mineralwolle verfüllt. Beim Betonieren der Neubauwände war der Beton dann in die durchlässige Wolle geflossen. Massive Betonwände, Mineralwolle und altes Mauerwerk waren eine innige Symbiose eingegangen. Zügiges Entfernen großer Betonwandbereiche? Fehlanzeige!

Geschlitzt und nicht geschüttelt

Auch hier fand das Hagedorn-Team eine Lösung: Alle Wände wurden mit Schlitzen versehen. Durch das kleinteilige Zerschneiden konnten die Betonteile entfernt werden, ohne altes Mauerwerk gleich mit rauszureißen.

Roland Steinberg: „Was bei so einem großen Auftrag zählt, ist das am Ende verlässliche und praktikable Lösungen für einen guten Baufortschritt sorgen und alle Beteiligten Hand in Hand arbeiten. In unserem Auftraggeber, der CG Gruppe, haben wir da einen sehr konstruktiven Partner.“

Informationen

www.unternehmensgruppe-hagedorn.de