Europas größter Hochhausabbruch – Ingenieursleistung trifft Urban Mining

Im Dezember 2014 wurde die BST Becker Sanierungstechnik GmbH nach monatelangen Verhandlungen mit dem Abbruch der drei Türme der ehemaligen Deutschen Welle in Köln beauftragt.

Da im Zuge des Rückbaus der drei in Stahlskelettbauweise errichteten Türme (Aufzug-, Studio- und Büroturm) auch eine umfangreiche Asbestsanierung vorgenommen werden musste, kann erst jetzt mit dem eigentlichen Rückbau der Hochhäuser begonnen werden. Hierbei wird besonderer Wert auf die Rückgewinnung von Sekundärrohstoffen gelegt, die als sortenrein gewonnene Monofraktionen wieder der Kreislaufwirtschaft zugeführt werden. Hierzu zählen insbesondere mineralische Baustoffe, Glas, Stahl, Aluminium oder Kupfer.

„Wir alle wissen um die Knappheit der im eigenen Land zur Verfügung stehenden Primärressourcen“, betont Michael Pfeiffer, Geschäftsführer der BST Becker Sanierungstechnik GmbH, der mit seinem Vorstandsmandat im Deutschen Abbruchverband e.V. genau für diese Themen Verantwortung übernimmt. Der Diplom-Betriebswirt Michael Pfeiffer ist als ehrenamtliches Vorstandsmitglied zuständig für die Fachausschüsse Recycling / Entsorgung sowie Schadstoffe. Christian Becker, nicht nur Namensgeber, sondern auch zweiter Geschäftsführer der BST, betont den hohen Aufwand, der hinter der gezielten Wertstoffrückgewinnung steckt. Gemessen an den Mengen und Qualitäten, die wieder in Stoffkreisläufe der Wirtschaft eingebracht werden können, ist dies allerdings ein Preis, den man gerne in Kauf nimmt.

Die Deutsche Welle Köln ist erst im Jahr 1980 in Betrieb genommen worden. Bereits nach nur etwas mehr als 20 Jahren musste man die Gebäude aufgrund der hohen Schadstoffbelastung aber wieder räumen, sodass der Komplex seitdem leer stand.

Mit seinen knapp 140 m wird die Deutsche Welle das bis dato höchste Hochhaus sein, welches in Europa jemals abgebrochen wurde.

Nach der aufwendigen Asbestsanierung hat nun Ende Oktober 2019 die zweite Abbruchphase, der eigentliche Rückbau der Stahlkonstruktion, der Fassade und der mineralischen Bausubstanz, begonnen. 360.000 m³ umbauter Raum mit ca. 18.000 t Stahl und ca. 140.000 t Beton müssen zurückgebaut werden. Brisant ist hierbei die Nähe zum Nachbarhochhaus des vollständig in Betrieb befindlichen Deutschlandfunks. Eigens erstellte Rückbau- und Lärmschutzkonzepte geben die besonders sorgfältige und akribische Vorgehensweise der geschulten Fachkräfte von BST vor Ort vor. Jeder separate Arbeitsschritt wird nach statischen Vorgaben ausgeführt. Seitens der BST Becker Sanierungstechnik GmbH sind unter der Führung von Projektleiter Michael Wagner ständig zwei Bauleiter und vier Poliere vor Ort auf der Baustelle und überwachen die Abläufe in den nächsten Wochen und Monaten. Ein externer Gutachter sowie ein Sachverständiger für Asbestarbeiten begleiten das Projekt seit Anbeginn der Arbeiten. Nichts wird auf dieser Baustelle dem Zufall überlassen.

Die kürzlich angebrachte Doka-Kletterschalung ist bereits am Büro- und Studioturm hinaufgeklettert. Der Rückbau der 122 und 80 m hohen Türme läuft auf Hochtouren. Dabei klettert die Schalung mit jedem zurückgebauten Stockwerk wieder hinunter. Im Schutz der Kletterschalung (Absturz, Lärm, Staub) bereiten die Mitarbeiter der BST in verschiedenen Teams den Abtrag des Gebäudes vor. Zuerst findet der Ausbau der Fassadenelemente statt. Das gewonnene Aluminium wird sortenrein in die vom Verwerter zur Verfügung gestellten Container verbracht und wöchentlich abgefahren. Gleiches passiert mit den Fensterscheiben. Nachdem die Fugenbänder entfernt wurden, wird das Glas separat verladen und ebenfalls für eine Verwertung bereitgestellt. Die noch vorhandenen asbesthaltigen Sandwichelemente in der Außenfassade werden in einem separaten Sanierungsbereich vom Stahlrahmen getrennt, zerstörungsfrei verpackt und entsorgt. Der Stahl wird gereinigt und der Schrottverwertung zugeführt. Nach der Demontage der Fassade werden die Deckenfelder streng nach statischer Vorgabe abgehoben. Hierfür wird die Decke mittels Sägeverfahren in einzelne Felder zerteilt. Entlang der Deckenfugen werden anschließend Kernbohrungen durchgeführt. Diese dienen als Anhängepunkte für den Deckentransport. Sobald ein Deckenelement im Kran hängt, werden die restlichen Schnitte in der Decke nachgeholt, die Trägerkonstruktion unterhalb der Decke im Brennschneidverfahren von der Stützenkonstruktion getrennt und Deckenelement für Deckenelement mittels Kran zu Boden transportiert. Parallel werden im Inneren des Betonkerns sämtliche Kalksandsteinwände mittels Abbruchroboter zurückgebaut, sodass nur noch die eigentlichen Betonwände im Schneidverfahren zurückgebaut werden müssen. Dazu werden die äußeren Wandelemente des Betonkerns geschnitten und nach Bohrung der Anhängepunkte ebenfalls mittels Kran nach unten befördert. Am Boden erfolgt dann die noch nötige Aufbereitung und Trennung der Elemente, um somit die Gewinnung weiterer Sekundärrohstoffe zu ermöglichen. Hierbei wird darauf geachtet, dass die mineralische Bausubstanz von Eisen und Stahl getrennt wird. Aufgrund einer nicht auszuschließenden Restbelastung mit Asbestfasern an Decken und Wänden, wird jedes vom Kran beförderte Element am Boden in einem eigens dafür eingerichteten Sanierungsbereich abgelegt. In einem Zelt werden dann an den Deckenelementen die Stahlträger von der Holoribdecke gelöst, gereinigt und anschließend der weiteren Verwertung zugeführt. Hierfür wurde eigens eine mit der Behörde und der Bezirksregierung abgestimmte und in zahlreichen Probesanierungen erarbeitete Maßnahme umgesetzt. Nachdem die Deckenfelder bearbeitet aus dem Sanierungsbereich entnommen wurden, werden im Anschluss die Wandelemente mittels BT 40 Verfahren gefräst und für eine Aufbereitung des Betonbauschutts vorbereitet. Zu guter Letzt werden pro Etage noch die aufgehenden Stützenelemente mit Schneidbrennern getrennt und anschließend beräumt. Am Büroturm steht hierfür ein Raupenkran der Marke Terex Demag CC 3800 mit einer Gesamthöhe von 194 m zur Verfügung. Im Anschluss an Büro- und Studioturm wird dann noch der Aufzugturm im Stemm- und Sägeverfahren zurückgebaut. Auch hierfür wird von einer Bühne aus gearbeitet und die herausgeschnittenen Betonelemente mittels Kran zu Boden befördert. Europas größter Hochhausabbruch mit knapp 140 Höhenmetern nimmt somit Gestalt an.

„Durch die konsequente Umsetzung unseres Stoffstromkonzeptes gelingt nicht nur die Herstellung eines hochwertigen Betonrecyclingbaustoffs für die Wiederverfüllung der entstandenen Baugruben. Größere Bedeutung hat hierbei im Sinne der Kreislaufwirtschaft die Substitution von Primärrohstoffen, wie etwa Bergkies oder Kalksandstein, die nicht angeliefert werden müssen. Durch die Einsparung von An- und Ablauffrachten für Schüttgüter können ca. 10.000 LKW Einsatzstunden eingespart werden, was sich mehr als vorteilhaft auf die CO₂ Bilanz der gesamten Maßnahme auswirkt“, so Diplom-Geologe Michael Maurer, Abteilungsleiter Entsorgung und Stoffstrommanagement der Firma BST.

„Die Abbruchbranche ist schon lange keine graue Maus mehr: neben den inzwischen gewohnten und geforderten Ingenieurleistungen, überwacht bzw. zertifiziert durch RAL, SCC und QM, verstehen es die meisten Abbruchunternehmen und Mitglieder des Deutschen Abbruchverbandes e.V. (inzwischen über 700 ordentliche Mitglieder deutschlandweit) inzwischen, dass die Gewinnung von potentiellen Sekundärbaustoffen zukünftig mehr denn je einen Platz in der Abbruchwelt einnehmen wird. In Zeiten immer knapper werdender Rohstoffe und mangelnder Deponiekapazitäten ist dies ein wichtiger Baustein für die Sicherung und Gestaltung unserer Zukunft. Urban Mining ist nicht mehr aufzuhalten und müsste von der Politik noch viel mehr gefördert und unterstützt werden“, fasst Michael Pfeiffer stellvertretend für alle Abbruchfirmen zusammen.

Am Ende aller Tage hat die BST für ihren Bauherrn DWK Deutsche Welle Köln GmbH, bestehend aus Bauwens und Die Wohnkompanie, ein ca. 56.000 m² großes Areal aufbereitet, verfüllt und für die geplanten Wohn- und Gewerbeeinheiten hergerichtet.

BST – Qualität schafft Vertrauen!

 

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