
Die Kunst der perfekten Sprengung

52 Wochen Vorbereitung für 29,5 Sekunden Präzision
Die Energiewende gehört zu den größten und anspruchsvollsten infrastrukturellen Herausforderungen, denen sich Deutschland in den letzten Jahrzehnten gestellt hat. Im Fokus der Öffentlichkeit stehen bei dieser Transformation meist Wind- und Solarenergie sowie die Energietrassen für die Verteilung der regenerativen Energien. Was durchaus mehr Aufmerksamkeit verdient, sind die komplexen Aufgaben im Kontext des Rückbaus der fossilen Energieinfrastruktur und der Konversion der entsprechenden Standorte. Gerade der Rückbau von Kohlekraftwerken erweist sich dabei als besonders interessantes Arbeitsfeld mit XXL-Dimensionen, das ambitionierte Ingenieure, Techniker und Projektmanager noch auf viele Jahre beschäftigen wird.
An der Konversion des Kohlekraftwerkes im saarländischen Ensdorf lassen sich exemplarisch die interdisziplinären technischen, organisatorischen und kommunikativen Herausforderungen aufzeigen, die Voraussetzung sind für eine sichere, effiziente und nachhaltige Planung und Durchführung solcher Vorhaben. Auf dem Standort südöstlich von Saarlouis ist auf ca. 600.000 m² Fläche ein Bauvolumen von über 1,5 Millionen m³ umbauten Raum fachgerecht rückzubauen – einschließlich regelkonformer und sicherer Entsorgung von Schadstoffen und maximalen Recyclingquoten im Sinne der Kreislaufwirtschaft.
Explosiver Rückbau weit über dem professionellen Alltagsgeschäft
Dass es dabei durchaus auch spektakulär zugeht, zeigen Janina Frias (Arcadis Germany), Clarissa Rapps (Woelfel Group) und Michael Schneider (RL Liesegang Sprengtechnik) in ihrem Vortrag über den Sprengungs-Event am 30. Juni 2024, mit dem nach 52 Wochen Vorbereitungszeit innerhalb von 29 Sekunden die beiden Kamine, der Kühlturm und die Entstickungsanlage des Kraftwerks niedergelegt wurden. Die technischen und organisatorischen Rahmenbedingungen lagen auch für die Profis des „explosiven” Rückbaus weit über dem Durchschnitt ihres professionellen Alltagsgeschäftes. Die große Zahl der involvierten Entscheidungsträger, Experten und Betroffenen machte zielorientierte Kooperation und Kommunikation zum Erfolgsfaktor oberster Priorität. Möglich war das alles nur durch die enge Zusammenarbeit sowohl von Seiten des Auftraggeber VSE AG, als auch der beauftragten Unternehmen für die ingenieurtechnische Planung und Umsetzung der Maßnahme. Die gemeinsame Mühe (… und der wohlkoordinierte und -choreografierte Einsatz von 112 Kilogramm Sprengstoff) hat sich gelohnt: Die Sprengung erfolgte mit der Präzision des sprichwörtlichen Schweizer Uhrwerkes, der Terminplan für die finale Rückbauphase und die Konversion des Standortes steht. Nach fast 12 Monaten Vorbereitung wurde in Ensdorf in weniger als einer halben Minute ein wichtiger Meilenstein erreicht für eine zukunftsfähige Konversion eines Kraftwerksstandortes.
Janina Fries, Arcadis Germany; Clarissa Rapps, Woelfel Group; Michael Schneider, RL Liesegang Sprengtechnik
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