Rückbau bei laufender Produktion

Herausforderungen beim selektiven Rückbau eines 1,3 Mio. m³ umfassenden Produktionsgebäudes bei laufender Produktion

Im März 2023 wurde die AWR Abbruch GmbH, Mülheim-Kärlich, mit der Durchführung des Rückbaus des zuvor als Montagegebäude genutzten Gebäudekomplexes 36x auf dem Werksgelände der Mercedes Benz AG, Werk Sindelfingen, beauftragt.

Ziel war es, nach Abschluss der Arbeiten ein baureifes, tragfähiges und oberflächlich asphaltiertes, planes Grundstück für die Nachfolgenutzung (Neubau) bereitzustellen.

Aufgrund der Lage des Rückbauobjektes im Herzen des Werksgeländes mit direkt an-grenzenden, weiter in Betrieb befindlichen Produktions- (u.a. Lackiererei) und Sozialgebäuden (u.a. Werkskantine), galten besondere Anforderungen an Lärm- und Staubemissionen sowie Vermeidung von Erschütterungen für die Rückbauarbeiten. Direkt angrenzende, vielbefahrene Werkstraßen stellten zudem massive Herausforderungen für die werksinterne Baustellenlogistik dar.

Sämtliche aus dem Rückbau anfallenden unbelasteten mineralischen Materialien waren gemäß bauherrenseitiger Planung vor Ort zu RC-Material aufzubereiten und für die Baureifmachung wiederzuverwenden. Gleiches galt für beim unterirdischen Rückbau anfallenden unbelasteten Bodenaushub. Aufgrund fehlender Zwischenlagerkapazitäten im Werksgelände außerhalb des Baufelds, mussten die zum Wiedereinbau vorgesehenen Materialien auf dem Baufeld zwischengelagert werden.

Aufgrund terminlicher Zwänge mussten die anschließenden Rohbauarbeiten schnellstmöglich beginnen. Dies hatte zur Folge, dass fertiggestellte Teilflächen nicht für die Zwischenlagerung von zum Wiedereinbau vorgesehenen Materialien genutzt werden konnten, sondern direkt nach Fertigstellung an den GU-Rohbau übergeben werden mussten. Dies stellte zusätzliche Herausforderungen an die Material- und Baustellenlogistik dar.

Die intensive Vorbereitung der Rückbaumaßnahme erfolgte zwischen März 2023 und Oktober 2023. Zu diesem Zeitpunkt war die Produktion noch in vollem Gange. Nach bauseitiger Teilräumung des noch zu verwendenden Inventars und Medientrennung des Gebäudekomplexes aus dem Werksnetz wurde mit den Rückbauarbeiten Anfang November 2023 begonnen.

Aufgrund der terminlichen Situation mit geplantem Beginn der Rohbauarbeiten im März 2025 mussten noch vor Fertigstellung der Gesamtfläche jeweils fertiggestellte Teilflächen an den GU-Rohbau übergeben werden.

Im Projekt fielen insgesamt rund 170.000 Tonnen Entsorgungsmassen an, entsprechend ca. 10.000 Transporten. Die Bauzeit betrug etwa zwei Jahre bzw. rund 450 Arbeitstage. Insgesamt waren ca. 1,3 Mio m³ umbauter Raum auf einer Fläche von ca. 73.500 m² rückzubauen.