Kleine Steine mit Vergangenheit als Baustoffe mit großer Zukunft

Klinker aus dem Rückbau in den Baustoffkreislauf zurückführen

Selektiver Rückbau eröffnet neue Möglichkeiten für die Wiederverwendung mineralischer Baustoffe. Ein Beispiel dafür ist die Klinker Historika GmbH, die in Deutschland und den Niederlanden tätig ist und sich auf die Gewinnung, Aufbereitung und Vermarktung historischer Klinkersteine spezialisiert hat. Im Mittelpunkt steht dabei die Zusammenarbeit mit Abbruchunternehmen im Rahmen von Rückbau- und Abbruchprojekten. Ziel ist es, Klinkermauerwerk nicht als Abbruchabfall zu behandeln, sondern als wiederverwendbaren Baustoff zu sichern und in den Materialkreislauf zurückzuführen.

Dazu werden geeignete Klinkerfassaden bereits vor oder während des Rückbaus identifiziert, gezielt freigelegt und vom übrigen Baukörper getrennt. Entscheidend ist dabei eine möglichst sortenreine Erfassung, damit die Steine getrennt von anderen Baustoffen geborgen und für die weitere Verwendung vorbereitet werden können. Anschließend werden die Klinker gereinigt, geprüft, sortiert und palettiert. Je nach Qualität und Verwendungszweck erfolgt danach die Einlagerung oder Weiterverarbeitung. Ein Teil der gewonnenen Steine wird erneut als Baustoff eingesetzt, ein anderer Teil zu Produkten wie Klinkerriemchen, Pflastersteinen oder Fassadenelementen weiterverarbeitet. Auch nicht vollständig als Stein nutzbare Anteile können weiterverwendet werden, etwa in Form von Substraten.

Für die Zusammenarbeit mit Abbruchunternehmen ist vor allem die Abstimmung der Abläufe auf der Baustelle wichtig. Dazu zählen Fragen der Flächenbereitstellung, Zwischenlagerung, Logistik sowie die Koordination von Rückbau und Materialtrennung. So lassen sich Rückbauprozesse und Wiederverwendung sinnvoll miteinander verbinden.

Ein weiterer Aspekt ist die Qualitätssicherung. Nach Angaben des Unternehmens werden die gewonnenen Klinker im Rahmen der Eignungsprüfung technisch bewertet; auf der Website wird hierzu auch die Zusammenarbeit mit Prüfinstanzen und die Zertifizierung der Re-Use-Ziegel hervorgehoben.

Aus Sicht der Ressourcenschonung ist das Verfahren besonders relevant: Klinker Historika gibt auf Grundlage seiner EPD für Re-Use-Ziegel einen CO₂-Fußabdruck von 9,330 kg CO₂ je Tonne beziehungsweise 16,822 kg CO₂ je Kubikmeter an. Im Vergleich zur durchschnittlichen CO₂-Belastung bei der Produktion neuer Klinker entspreche dies einer Reduktion von über 98 Prozent. Die Angaben beziehen sich auf die EPD-Betrachtung „Cradle to Gate“, also auf die Produktionsphase vom Rückbau beziehungsweise „Ernten“ auf der Baustelle bis zur Anlieferung beim Kunden.

Damit zeigt das Beispiel Klinker Historika, welches Potenzial im selektiven Rückbau liegt, wenn Materialien frühzeitig erfasst, getrennt behandelt und hochwertig weitergenutzt werden.