
30 Jahre Initiative Kreislaufwirtschaft Bau

15. Monitoring-Bericht bestätigt erneut hohe Verwertungsquoten – Deutscher Abbruchverband fordert bessere Voraussetzungen für den Einsatz von Recycling-Baustoffen
BERLIN, 04. November 2026
Mehr als 90 Prozent der mineralischen Bauabfälle in Deutschland werden verwertet. Das zeigt der 15. Monitoring-Bericht der Initiative Kreislaufwirtschaft Bau, der heute im Rahmen eines parlamentarischen Frühstücks im Deutschen Bundestag an Florian Bilic, Berichterstatter der CDU/CSU Bundestagsfraktion für Kreislaufwirtschaft, übergeben wurde. Gleichzeitig feiert die Initiative, zu deren Trägerverbänden auch der Deutsche Abbruchverband (DA) gehört, ihr 30-jähriges Bestehen.
Für den Deutschen Abbruchverband nahm Katrin Mees, Leiterin des Berliner Büros, in Vertretung von Geschäftsführer Andreas Pocha an der Übergabe und der anschließenden politischen Diskussion teil.
Hohe Verwertungsquoten zeigen die Leistungsfähigkeit der Branche
Der Monitoring-Bericht basiert auf den Daten des Jahres 2024. Von insgesamt 175,2 Millionen Tonnen mineralischen Bauabfällen wurden 159,2 Millionen Tonnen verwertet. Die Verwertungsquote liegt damit bei 90,9 Prozent und damit erneut über dem Wert des vorherigen Berichtszeitraums.
Aus den mineralischen Bauabfällen entstanden 64,3 Millionen Tonnen Recycling-Baustoffe. Diese deckten 13,2 Prozent des Bedarfs an Gesteinskörnungen. Einschließlich industrieller Nebenprodukte lag die Substitutionsquote bei 17,5 Prozent.
Die Ergebnisse dokumentieren die Leistungsfähigkeit der Rückbau-, Aufbereitungs- und Verwertungswirtschaft. Gleichzeitig zeigen sie die Grenzen der verfügbaren mineralischen Sekundärrohstoffe. Ihre Menge hängt wesentlich davon ab, welche Materialien bei Bau-, Sanierungs- und Rückbauarbeiten tatsächlich anfallen.
Verwertung ist nicht gleich Vermarktung
Die hohe Verwertungsquote ist ein wichtiger Erfolg der Bau- und Recyclingwirtschaft. Sie sagt allerdings wenig darüber aus, wie gut sich aufbereitete Recycling-Baustoffe tatsächlich vermarkten lassen. Der Monitoring-Bericht dokumentiert den Verbleib der Materialien, nicht aber die Nachfrage, die erzielten Preise oder mögliche Absatzschwierigkeiten der Unternehmen.
Aus Sicht des Deutschen Abbruchverbandes kommt es deshalb darauf an, die bestehenden Verwertungswege zu sichern und gleichzeitig die Marktbedingungen für Recycling-Baustoffe zu verbessern. Entscheidend ist, dass geeignete Sekundärmaterialien dort eingesetzt werden können, wo sie Primärrohstoffe ersetzen.
„Unser Ziel ist nicht, einzelne Verwertungswege gegeneinander auszuspielen. Entscheidend ist aber, dass wir die Rohstoffe, die wir beim Rückbau gewinnen, sinnvoll nutzen und damit Primärmaterial ersetzen. Dafür brauchen unsere Unternehmen verlässliche Rahmenbedingungen und einen funktionierenden Markt“, so Andreas Pocha, Geschäftsführer des Deutschen Abbruchverbandes e.V.
Bestandserhalt und Rohstoffgewinnung zusammendenken
Die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie verfolgt das Ziel, den Einsatz von Sekundärrohstoffen deutlich zu stärken. Gleichzeitig gewinnt der Erhalt und die Weiternutzung bestehender Gebäude an Bedeutung.
Für den Deutschen Abbruchverband ist dies kein grundsätzlicher Widerspruch. Der Erhalt nutzbarer Bausubstanz ist ein wichtiger Beitrag zur Ressourcenschonung. Wo Gebäude jedoch nicht sinnvoll weitergenutzt werden können und ein Rückbau erforderlich ist, müssen die darin gebundenen Rohstoffe möglichst hochwertig zurückgewonnen werden.
Qualifizierter Rückbau bildet damit den ersten Schritt einer industriellen Rohstoffgewinnung aus dem Gebäudebestand.
Rechtssichere Rahmenbedingungen für funktionierende Stoffkreisläufe
Damit die gewonnenen Materialien tatsächlich wieder in der Bauwirtschaft eingesetzt werden können, braucht es praktikable Anforderungen an die Aufbereitung, verlässliche Qualitätssicherung und einen funktionierenden Absatzmarkt.
Der Deutsche Abbruchverband setzt sich deshalb insbesondere für ein rechtssicher geregeltes Ende der Abfalleigenschaft geeigneter mineralischer Ersatzbaustoffe ein. Gemeinsam mit dem Zentralverband Deutsches Baugewerbe wurden hierzu konkrete Regelungsvorschläge für die Ersatzbaustoffverordnung entwickelt. Mit dem weiterführenden Ansatz „Kreislaufwille vor Entledigungswille“ werben die Verbände dafür, eine gesicherte Anschlussverwendung innerhalb qualitätsgesicherter Stoffstromsysteme auch bei der rechtlichen Beurteilung stärker zu berücksichtigen.
Entscheidend bleibt dabei die Einhaltung der geltenden Umwelt- und Qualitätsanforderungen.
30 Jahre gemeinsames Engagement
Seit 1995 dokumentiert die Initiative Kreislaufwirtschaft Bau im Zweijahresrhythmus das Aufkommen und den Verbleib mineralischer Bauabfälle in Deutschland. Der aktuelle Bericht ist der erste, der die Stoffströme nach Inkrafttreten der Ersatzbaustoffverordnung (EBV) im August 2023 abbildet. Allerdings hat die schwache Baukonjunktur zu einem deutlichen Rückgang der Bauabfallmengen geführt und mögliche Auswirkungen der EBV überlagert. Ob und wie sich die neuen Regelungen auf die Verwertung ausgewirkt haben, lässt sich daher noch nicht eindeutig beurteilen.
Umso wichtiger ist es, die anstehende Novellierung der EBV zu nutzen, um bestehende Hemmnisse abzubauen und die Verwendung mineralischer Ersatzbaustoffe weiter zu erleichtern.
Der vollständige 15. Monitoring-Bericht steht unter www.kreislaufwirtschaft-bau.de zur Verfügung.
Im Bild: Philip Mesenburg (ZDB), Maximilian Meyer (BMKE), Freya Sternkopf (BDE), Herr Bilic (an Florin Bilic, Berichterstatter der CDU/CSU), Matthias Frederichs (bbs), Antje Eichler (HDB), Berthold Schäfer (bbs) und Katrin Mees (DA und BGRB).
Pressemitteilung: 30 Jahre Initiative Kreislaufwirtschaft Bau Download



