
Sternbrücke Hamburg

Rückbau eines Jahrhundertbauwerks
Der Rückbau der Hamburger Sternbrücke zählt zweifellos zu den technisch anspruchsvollsten Infrastrukturmaßnahmen der vergangenen Jahre. Kaum ein anderes Projekt vereint die Herausforderungen von innerstädtischem Abbruch, Eisenbahninfrastruktur, komplexer Logistik und hochpräziser Schwerlasttechnik auf vergleichbare Weise. Im Zentrum der Rückbauarbeiten stand dabei die A&S Betondemontage GmbH, die im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft EÜ Sternbrücke (Himmel und Papesch Bauunternehmung GmbH & Co. KG und Fr. Holst GmbH & Co. KG) und letztlich der Deutschen Bahn die Demontage der historischen Eisenbahnüberführung ausführte.
Rückbau unter beengten innerstädtischen Randbedingungen
Die rund 100 Jahre alte Sternbrücke überspannte eine der verkehrsreichsten Kreuzungen Hamburgs. Die unmittelbare Nachbarschaft aus Wohnbebauung, Gewerbe, Eisenbahninfrastruktur und stark frequentierten Verkehrsachsen ließ klassische Rückbaumethoden nur eingeschränkt zu.
Statt eines konventionellen Komplettabbruchs musste das Bauwerk in exakt definierten Segmenten zurückgebaut werden. Die Arbeiten erfolgten während einer eng getakteten Sperrpause der Bahnstrecke. Ziel war es, die Stahlkonstruktion kontrolliert zu zerlegen, ohne die nah angrenzenden Bauwerke, Gleisanlagen oder Versorgungsträger zu beeinträchtigen.
Bereits die Vorbereitung erforderte umfangreiche Schutzmaßnahmen. Für den Schutz der Verkehrsflächen, der Baustellenlogistik und insbesondere für die spätere Verbringung der neuen Brücke wurden durch die Mobile Wege GmbH rund 10.000 m² Stahlplatten verlegt. Um die außergewöhnlich hohen Lasten aus Kranbetrieb, Schwerlasttransporten und dem späteren Brückentransport sicher in den Untergrund einzuleiten, wurde unterhalb der Stahlplatten auf den Zentimeter genau eine etwa 1 m starke Mineralgemisch-Schicht hergestellt. Die temporäre Verkehrs- und Lastverteilungsfläche bildete die Grundlage für sämtliche Schwerlastaktivitäten während der Hauptbauphase.
Präzisionsarbeit am Stahltragwerk
Die eigentliche Demontage der historischen Stahlkonstruktion erfolgte abschnittsweise. Zunächst wurden die einzelnen Tragwerksteile durch Brennschneidarbeiten voneinander getrennt. Dabei musste gewährleistet werden, dass die statische Resttragfähigkeit während jeder Rückbauphase erhalten blieb.
Besonders anspruchsvoll war die Herstellung definierter Trennschnitte an den Hauptträgern. Durch die hohe Eigensteifigkeit der Konstruktion bestanden erhebliche Zwängungs- und Verspannungskräfte. Jeder Trennschnitt wurde deshalb in enger Abstimmung mit dem Hebevorgang ausgeführt.
Nach den Trennarbeiten wurden die Stahlsegmente kontrolliert ausgehoben und am Boden weiter zerlegt. Die einzelnen Brückenteilsegmente waren bis zu 26 m lang und wogen jeweils bis zu 150 Tonnen.
Um ein unkontrolliertes Absacken oder Verformen der freigeschnittenen Tragwerksteile während der Demontage auszuschließen, wurden unterhalb der auszubauenden Stahlsegmente mehrere hundert Baggermatratzen eingebaut und gestapelt. Dadurch konnten die Lasten während der Trenn- und Hebevorgänge kontrolliert aufgenommen werden.
Insgesamt wurde der etwa 80 m lange Stahlüberbau in rund 60 Einzelteile zerlegt. Sämtliche Segmente mussten unmittelbar nach der Demontage mittels Schwerlasttiefladern Tag und Nacht zu einem außerhalb der Innenstadt gelegenen Zwischenlager transportiert werden. Dort erfolgte das Entladen erneut mit einem Großkran, bevor die einzelnen Stahlteile ihrer weiteren Verwertung beziehungsweise Lagerung zugeführt wurden. Für das Sichern und Ausheben der Segmente kam ein 700-Tonnen-Raupenkran zum Einsatz.
Rückbau als Bestandteil eines Gesamtlogistikkonzepts
Eine Besonderheit des Projekts bestand darin, dass der Rückbau nicht isoliert betrachtet werden konnte. Parallel zur Demontage der Altbrücke liefen bereits die Vorbereitungen für den Einbau des Neubaus.
Der Rückbau beschränkte sich dabei nicht auf die Stahlkonstruktion. Parallel zur Demontage des Überbaus mussten die vorhandenen Betonauflager, Widerlager und Kontergewichte vollständig beseitigt werden, um die Einbausituation für den Neubau herzustellen. Hierfür waren erhebliche Abbruchleistungen erforderlich.
Innerhalb eines eng vorgegebenen Zeitfensters von nur 72 Stunden wurden rund 3.500 m³ Stahlbetonbauwerke abgebrochen, verladen und zu einem außerhalb des Baufeldes gelegenen Zwischenlager transportiert. A&S setzte hierfür zeitweise mehr als acht Großgeräte gleichzeitig im Zwei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr ein. Die parallele Durchführung von Stahlrückbau, Betonabbruch und Schwerlastlogistik stellte eine außergewöhnliche organisatorische und technische Herausforderung dar
Mit dem erfolgreichen Rückbau der historischen Sternbrücke endet ein Kapitel Hamburger Ingenieurbaugeschichte. Gleichzeitig bildet die Maßnahme den Ausgangspunkt für die Inbetriebnahme eines der markantesten Brückenneubauten Deutschlands. Die eigentliche Leistung liegt jedoch in der professionellen Demontage des Bestandsbauwerks – einer Aufgabe, die in technischer Hinsicht ebenso beeindruckend ist wie der Einschub der neuen Brücke.
Informationen
A&S Betondemontage GmbH
Benzstraße 2
31275 Lehrte
Tel.: 05132 87270
info@betondemontage.de
www.betondemontage.de



